Kaufberatung

Wie wählt man einen Schlafsack aus?

Bei der Auswahl eines Schlafsacks müssen wir uns zunächst einige Fragen stellen, damit wir genau wissen, welchen Schlafsack wir benötigen. Einen universellen Schlafsack, der das ganze Jahr über und für alle Bedingungen geeignet ist, gibt es leider nicht. Ein solcher Schlafsack wäre in heißen Sommernächten hervorragend atmungsaktiv, im Wind wiederum winddicht, bei Regen wasserdicht und bei Winterfrost fantastisch warm. Natürlich wäre er günstig, leicht und nach dem Packen sehr klein. Einen solchen Schlafsack hat es nie gegeben und es wird höchstwahrscheinlich auch nie möglich sein, ihn herzustellen. Für den Sommer benötigen Sie einfach einen völlig anderen Schlafsack als für den Winter. Winddichtigkeit bzw. Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität sind gegensätzliche Eigenschaften, d. h. je höher die Winddichtigkeit bzw. Wasserdichtigkeit, desto geringer die Atmungsaktivität. Und umgekehrt. Je atmungsaktiver das Gewebe ist, desto geringer ist seine Fähigkeit, das Eindringen von Wind und Wasser zu verhindern.

Die idealste Möglichkeit ist, sich drei Schlafsäcke anzuschaffen, wobei uns jeder unter anderen Bedingungen dienen wird, was jedoch für viele von uns finanziell anspruchsvoll ist.

Bei der Auswahl muss in erster Linie festgelegt werden, von wem und unter welchen Bedingungen der Schlafsack verwendet wird.

Grob gesagt können Schlafsäcke in die Kategorien Sommer-, Dreijahreszeiten- und Winterschlafsäcke eingeteilt werden:

Sommerschlafsack

Schlafsäcke, die für die warme Sommerzeit bestimmt sind – Juni bis August. Die Schlafsäcke sind sehr leicht, manchmal sogar ultraleicht (bis 1000g) und eignen sich daher zum Wandern, Radfahren oder für den Wassersport. Ihr Gewicht und Volumen werden Sie nicht belasten.

Dreijahreszeitenschlafsack

In den Schlafsäcken können Sie vom Frühling bis zum Herbst übernachten. Es ist ein sogenannter universeller Schlafsack. Der Schlafsack hat den Vorteil, dass Sie nur einen Schlafsack haben können und darin sowohl im Frühling, im Sommer als auch im Herbst übernachten. Der Nachteil des Schlafsacks ist, dass er ein höheres Gewicht (ab 1200g und mehr) und größere Abmessungen aufweist.

Winterschlafsack

Wie der Name schon sagt, sind die Schlafsäcke für die Winterzeit oder den späten Herbst bestimmt. Es ist sicherlich nicht geeignet, an warmen Sommerabenden in diesen Schlafsäcken zu schlafen.

TEMPERATURBEREICHE DES SCHLAFSACKS

Die Temperaturangaben von Schlafsäcken werden heute durch die europäische Norm EN ISO 23537 bestimmt, die im Jahr 2016 die frühere EN 13537 (gültig seit 2002) ersetzte. Die Norm regelt die Messung und Berechnung der Einsatztemperaturen.

Solide Hersteller oder Importeure geben diese Werte bereits heute an. Weniger konsequente Hersteller geben nur einige davon an. Wenn Sie auf dem Schlafsack nicht drei Angaben finden, sondern zwei oder sogar nur eine, bedeutet das nicht, dass der Schlafsack schlecht ist. Ein Hersteller, der die drei Angaben der Norm nicht anführt, erschwert dem Kunden jedoch den Vergleich. Dieser kann dann die Extremtemperatur für die Komforttemperatur halten. Und die Extremtemperatur ist definitiv keine Temperatur, bei der es sinnvoll ist, eine Nacht im jeweiligen Schlafsack zu riskieren.

Alle angegebenen Daten gelten nur unter idealen Laborbedingungen und nur für eine standardisierte männliche oder weibliche Person!

In der Praxis können die Nutzungsbedingungen des Schlafsacks nämlich extrem variabel sein. Es handelt sich immer um unzählige Kombinationen der folgenden Faktoren:

  • Temperatur der Umgebungsluft
  • Strahlungstemperatur der Umgebungsluft
  • Geschwindigkeit und Verwirbelung der Luft
  • im Schlafsack zurückgehaltene Feuchtigkeit und Umgebungsfeuchtigkeit
  • Bekleidung der Person
  • Position der Person im Schlafsack
  • Isolation zwischen Schlafsack und Boden sowie die vom Boden selbst gegebene Wärmeisolation
  • Zusammendrücken des Schlafsacks durch Gewicht und Volumen des Benutzers
  • ein anderes als das ideale Verhältnis von Fläche und Volumen des Benutzers und dem Raum des Schlafsacks

Die Temperaturbestimmung von Schlafsäcken nach der europäischen Norm EN ISO 23537 ist wie folgt festgelegt:

Komfort

Die Temperatur, bei der sich ein in entspannter Rückenlage liegender Benutzer im thermischen Gleichgewicht befindet und keine Kälte verspürt. Bezogen auf die Figur einer durchschnittlichen Frau unter normalen Bedingungen.

Limit

Die untere Grenze, bei der sich ein in zusammengekauerter Haltung liegender Benutzer im thermischen Gleichgewicht befindet und noch keine Kälte verspürt. Bezogen auf die Figur eines durchschnittlichen Mannes unter normalen Einsatzbedingungen.

Extrem

Die untere Extremtemperatur, bei der die Gefahr einer Gesundheitsschädigung durch Unterkühlung besteht. Bezogen auf die Figur einer durchschnittlichen Frau unter normalen Einsatzbedingungen. Definitiv nicht als Temperatur zu betrachten, bei der man bequem schlafen kann.

Trotz dieser Angaben ist es jedoch erforderlich, weitere Faktoren wie den aktuellen Zustand des Stoffwechsels und die äußere Umgebung zu berücksichtigen.

Diese können nämlich die gefühlte Temperatur verzerren, obwohl die reale Temperatur den gegebenen Werten entspricht. Ein Mann, eine Frau oder ein Kind nimmt eine unterschiedliche gefühlte Temperatur wahr. Es hängt von der aktuellen körperlichen Verfassung oder dem physischen und psychischen Zustand ab. Einen großen Einfluss hat auch die Feuchtigkeit der Umgebung oder die Bekleidung des Körpers. Wir empfehlen, zum Schlafen eine andere Bekleidung anzuziehen, als die, die Sie tagsüber tragen, und diese sollte trocken sein. Es ist ratsam, die Bekleidung schichtweise aufzubauen, angefangen bei Thermowäsche oder einer anderen ersten Schicht (die nicht zu eng anliegen sollte), und bei Bedarf eine zweite Schicht aus wärmendem Material hinzuzufügen. Falls auch zwei Schichten nicht ausreichen und Sie weitere hinzufügen möchten, achten Sie darauf, dass in Ihrem Schlafsack noch ausreichend Platz vorhanden ist, da Sie sonst die Isolationsschicht des Schlafsacks selbst zusammendrücken und die geschichtete Bekleidung somit kontraproduktiv ist.

Wenn jemand fragt: „Und wird mir in diesem Schlafsack nicht kalt sein?“ Eine solche Frage lässt sich nur sehr schwer beantworten, denn das Kälteempfinden ist IMMER subjektiv! Die Einsatztemperaturen sind daher keine Größen, die sich nur aus der inneren Beschaffenheit des Schlafsacks ergeben, sondern hängen von den Nutzungsbedingungen, der Person und ihrem Zustand zum Zeitpunkt der Nutzung ab.

Weiterhin unterteilen wir Schlafsäcke je nach Art der Füllung, Konstruktion oder Form in mehrere Kategorien. Anhand dieser Parameter und der zukünftigen Nutzung des Schlafsacks muss die Auswahl getroffen werden.

SCHLAFSACK NACH MATERIAL

Außenmaterial

Es beeinflusst maßgeblich den Loft. Eine zu hohe Grammatur des verwendeten Materials ist an sich schon eine im Grunde unnötige Belastung für Ihren Rücken, wirkt sich aber auch weiter aus. Schweres Material drückt die Isolationsfüllung zusammen und verringert ihren Loft. Ein wichtiger Parameter des Außenmaterials ist auch die Wasserabweisung/Atmungsaktivität.

Innenmaterial

Es handelt sich um die Schicht, die oft in direktem Kontakt mit der Haut des Benutzers steht und bei der ein besonderer Schwerpunkt auf eine hohe Atmungsaktivität gelegt wird.

Art der Füllung

Es wird entweder eine Daunen- oder eine Synthetikfüllung verwendet. Die Wahl der Füllung bestimmt maßgeblich die Wärmedämmeigenschaften und das Gewicht des Schlafsacks.

SCHLAFSÄCKE NACH KONSTRUKTION

Deckenschlafsäcke

Dieser Schlafsacktyp lässt sich vollständig öffnen und auch als normale Decke verwenden. Er eignet sich nur für den Campingplatz oder das Wochenendhaus, im Zelt oder im Freien hält er die Wärme nicht allzu gut zurück.

Mumienschlafsäcke

Dies ist die am häufigsten verwendete Schlafsackform, die dem menschlichen Körper nachempfunden ist und somit den Innenraum optimiert. Der Mumienschlafsack reduziert den Wärmeverlust und optimiert die Größe des beheizten Raums. Erweiterte Mumien eignen sich für Personen mit atypischen Figuren, anatomische und elastische Mumien passen sich dem menschlichen Körper hingegen viel besser an und verringern so wiederum die Größe des unnötig beheizten Raums.

Ovale Schlafsäcke

Diese Form basiert auf dem Mumienschlafsack, ist jedoch ovaler und passt sich der Form des menschlichen Körpers nicht so genau an.

Es ist ein Kompromiss zwischen dem Raumangebot eines Decken- und eines Mumienschlafsacks.

Erweiterbare Schlafsäcke

Diese Eigenschaft von Schlafsäcken kann bei allen bereits erwähnten Formen angewendet werden.

Sowohl die Länge als auch die Breite des Schlafsacks können erweiterbar sein.

SCHLAFSÄCKE NACH ART DER ISOLATIONSFÜLLUNG

Synthetische Schlafsäcke

Heutzutage werden synthetische Fasern am häufigsten als Füllung für Schlafsäcke verwendet.

Auch synthetische Fasern können aufgrund ihrer Eigenschaften in viele Kategorien eingeteilt werden, wie zum Beispiel in Mikrofasern und Hohlfasern mit Kanälen.

Jeder Fasertyp hat eine spezifische Eigenschaft.

Mikrofaser hat hohe wärmeisolierende Eigenschaften und nimmt wenig Platz ein. Am häufigsten wird sie für kleine Schlafsäcke verwendet, bei denen ein guter Kompromiss zwischen Gewicht und Packmaß im Vordergrund steht. Mit Mikrofaser gefüllte Schlafsäcke haben einen geringeren Loft oder eine geringere Bauschkraft als Schlafsäcke mit Hohlfaserfüllung.

Bei Hohlfasern unterscheiden wir zudem nach der Anzahl der Kanäle, die die Fasern aufweisen. Mit einer höheren Anzahl steigen ihre Wärmeleistung und die Bauschkraft der Fasern.

Synthetische Fasern sind relativ pflegeleicht, antiallergisch und im Vergleich zu Daunenfüllungen feuchtigkeitsbeständiger.

Vorteile

  • Ist deutlich günstiger.
  • Wärmt (isoliert), auch wenn er feucht ist.
  • Ist auch für Allergiker geeignet.

Nachteile

  • Ist voluminöser und schwerer.
  • Im Vergleich zum Daunenschlafsack hat der Schlafsack aus Hohlfasern eine deutlich kürzere Lebensdauer (nach 4 Jahren Nutzung ist er praktisch zerstört).

Wenn Sie Hohlfaser für den Winter wählen, müssen Sie unbedingt zu hochwertigen Materialien greifen (praktisch nur die Marken Polarguard, Primaloft oder Thermolite). Der Schlafsack wird Sie gut wärmen, auch wenn er feucht ist. Sein Nachteil ist das hohe Gewicht, das große Volumen und vor allem die Tatsache, dass ein solcher Schlafsack im Vergleich zu einem Daunenschlafsack relativ schnell altert…

Daunenschlafsäcke

Daunen sind ein bewährtes natürliches Isolationsmaterial. Bei richtiger Pflege und Behandlung bieten sie ihren Benutzern maximalen Wärmekomfort, kombiniert mit geringem Gewicht, hoher Zuverlässigkeit und einer langen Lebensdauer des Schlafsacks. Daunen sind im Vergleich zu synthetischen Füllungen leichter, besser komprimierbar und haben eine höhere Wärmeleistung.

Andererseits sind Daunen pflegeintensiver und anfällig für Feuchtigkeit. Die am häufigsten verwendeten Daunen sind entweder Gänse- oder Entendaunen.

Daunen werden durch das Verhältnis von reinen Daunen und kleinen Federn spezifiziert. Die Daunen sorgen für die Wärmedämmung und die Federn sind für die Bauschkraft verantwortlich.

Eine weitere Angabe ist die Bauschkraft, die die Fähigkeit der Daunen bezeichnet, ein maximales Volumen einzunehmen. Sie drückt die Elastizität und Expansionsfähigkeit aus. Je höher der Wert, desto besser ist die Bauschkraft. Die Qualität der Daunenfüllung wird nicht nur durch die Menge an reinen Daunen in der Mischung bestimmt (Angaben 90/10, 80/20 oder 70/30), sondern auch durch deren allgemeine Elastizität und Expansionsfähigkeit (d. h. die Fähigkeit, maximales Volumen und Loft einzunehmen). Diese „Bauschkraft“ (engl. „Fill power“) ist eine international anerkannte Größe und wird nach dem IDFB-System in speziellen Labors getestet.

WELCHE SCHLAFSACKGRÖSSE SOLL MAN WÄHLEN?

Der Schlafsack sollte leicht locker sitzen, gerade so viel, dass sich der Schlafende beim Drehen von einer Seite auf die andere nicht mit dem ganzen Schlafsack dreht, sondern nur er selbst. Die Hersteller bieten daher bei Schlafsäcken in der Regel zwei Größen je nach Körpergröße an. Die Wahl der richtigen Größe und Länge des Schlafsacks ist ein wichtiger Schritt vor dem Kauf. Der Schlafsack darf nicht zu eng sein, umgekehrt sollte der Raum zwischen dem Körper und den Wänden des Schlafsacks nicht extra groß sein. Wenn der Raum zu klein ist, wird die Isolationsschicht zusammengedrückt und ihre Wärmeleistung ist nicht hundertprozentig. Im entgegengesetzten Fall muss der Körper einen großen Raum erwärmen. Die empfohlene Körpergröße der Person ist um ca. 25cm kleiner als die eigentliche Länge des Schlafsacks. Es ist jedoch auch notwendig, die Breite der Figur zu berücksichtigen, weshalb es besser ist, den Schlafsack auszuprobieren und vor dem eigentlichen Kauf hineinzuschlüpfen.

KOPPELBARKEIT VON SCHLAFSÄCKEN

Einige Schlafsäcke haben die Eigenschaft, dass sich zwei zu einem großen Schlafsack verbinden lassen.

Der Schlafsack muss in der Ausführung L (links) und R (rechts) vorliegen, es sollte sich um denselben Schlafsacktyp aus einer Saison handeln.

Wenn Sie zwei verschiedene Schlafsacktypen verbinden möchten, müssen diese aus einer Kollektion stammen und dieselbe Länge haben.

REISSVERSCHLUSS DES SCHLAFSACKS

Schlafsäcke ohne Reißverschluss werden heute praktisch nicht mehr hergestellt. Reißverschluss ist jedoch nicht gleich Reißverschluss. Bei einem No-Name-Reißverschluss riskieren Sie, dass er Sie genau in dem Moment im Stich lässt, in dem Sie es am wenigsten gebrauchen können. Eine Nacht im Frost mit einem als Decke genutzten Schlafsack, weil sich der Reißverschluss nicht schließen lässt, er aufspringt oder der Schieber abgefallen ist, kann auch Ihre letzte Nacht sein. Die absolute Weltspitze sind Reißverschlüsse der Marke YKK, hervorragend sind auch die tschechischen Reißverschlüsse Ws20.

Der Reißverschluss sollte mit einer inneren isolierenden Abdeckleiste versehen sein, die den Wärmeverlust nach außen durch die Reißverschlusskonstruktion verhindert.

PACKSACK FÜR DEN SCHLAFSACK

Der Packsack schützt den Schlafsack vor Verschmutzung und mechanischen Beschädigungen.

In den meisten Fällen verfügt der Packsack über Kompressionsgurte, die es ermöglichen, das Packmaß auf ein Minimum zu komprimieren.

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